Ein Pastorenstreit

Einst war vor vielen Jahren ein Streit zwischen dem Pastor von
Amelinghausen und dem von Salzhausen um einiger Ortschaften
wegen ausgebrochen.

Beide wollten diese Ortschaften zu ihrer Gemeinde zählen. Da sie sich
aber niemals einigen konnten und immer im Streit auseinandergingen,
beschlossen sie schließlich, die Streitfrage durch einen Wettlauf zu
schlichten. Es sollte derjenige, welcher zuerst in der betreffenden
Ortschaft anlangte, dieselbe zu seiner Gemeinde zählen.

An einem bestimmten Tage stellten sich beide in der Nähe eines
Gehöftes auf. Dann sagten sie: Hier schall de Lop beginnen. Nach
diesem Ausspruche wurde das Gehöft Lopke genannt.

Von hier aus führte der Weg, auf welchen sie liefen, an Kornfeldern
vorbei und an der rechten Seite des Weges schlängelte sich die Luhe.
Nachdem sie eine halbe Stunde gelaufen waren, kamen sie Läufer an
mehreren Häusern vorbei. Hier rief der Amlinhäuser Pastor, der
zweiter war: Ick bin all weddermöd. Danach nannte sich der Ort:
Weddermöde.

Jetzt mußte die Luhebrücke überschritten werden und der Wettlauf
bewegte sich auf sandigem Boden weiter, der von Kiefernwäldern
abgelöst wurde.

Schließlich erreichten sie freies Feld und der Pastor von Salzhausen,
der die Spitze innehatte, rief: Ick heff die 4 Höfe. Diese erhielten den
Namen Vierhöfen

Somit hatte der Amelinghäuser Pfarrer von den nördlichsten Dörfern
nichts erreicht. Er hoffte jedoch, die beiden südlichen für sich zu
gewinnen.

Er konnte den Salzhäuser Pfarrer, der einen großen Vorsprung hatte,
fast wieder auf dem guten Wege, der durch das Luhetal quellwärtz
führte, einholen. Der Salzhäuser erreichte mit geringem Vorsprung die
Mühle, indem er ausrief :Ick heff de Möhl, und so bekam er diesen
Ort, der Luhmühlen genannt wurde, in seinem Besitz.

Doch nun setzte sich der Amelinghäuser an die Spitze und suchte das
letzte Gehöft als erster zu erreichen. Auch hier führte der Weg wieder
durch sandige Heideflächen. Der Salzhäuser folgte Ihm in einem
geraumen Abstande, und setzte sich schließlich zu Endkampf ein.
Überholen konnte er ihn jedoch nicht, sondern bei dem Gehöft
erreichte er den Pastor aus Amelinghausen und rönn im dahl. Dieses
bedeutet soviel, als rannte er ihn um. Daher erhielt das Gehöft den
Namen Röndahl

Nun war der Streit entscheiden und der Pastor von Salzhausen freute
sich, daß er drei Dörfer und zwei Gehöfte mehr zu seiner Gemeinde
Zählen durfte, die auch heute noch zu seinem Kirchspiel Salzhausen
gehören.

Autor: Diese Geschichte wurde von Elfriede Dietrich aus dem altdeutsche übersetzt.